Fotografie, Fotodruck, Fotografen & Trends

Donnerstag

3

März 2011

0

COMMENTS

Architekturfotografie und bekannte Architekturfotografen

Written by , Posted in Allgemein, Fotografen

architekturfotografie

Einführung in die Architekturfotografie

In der klassischen Architekturfotografie geht es um die fotografisch korrekte Abbildung von Bauwerken, stark angelehnt an die perspektivische Zeichnung, die Architekten zur grafischen Veranschaulichung Ihrer Gebäude anwenden. Hierbei spielt vor allen Dingen die Zentralperspektive eine besondere Rolle, die sich nicht ganz ohne Weiteres von normalen Kameras und Objektiven realisieren lässt.
Zum Genre der Architekturfotografie gehört ebenso die Fotografie von Modellen sowie die Dokumentation des Baufortschrittes. Die Architekturfotografie steht so in enger Verbindung mit der Industriefotografie und der Landschaftsfotografie.

Schwierigkeiten bei der Architekturfotografie

Als Hobbyfotograf stößt man sehr schnell an die Grenzen der eigenen Ausrüstung. Da normale Objektive stets eine mehr oder weniger ausgeprägte Verzerrung aufweisen, müssen Aufnahmen in der Regel überarbeitet werden. Normalerweise lassen sich solche kissen- und tonnenförmigen Verzerrungen in gängigen Bildbearbeitungsprogrammen ausgleichen.
Eine weitere Schwierigkeit stellen stürzende und fliehende Linien eines fotografierten Gebäudes dar. Ein professioneller Architekturfotograf verwendet zur optisch richtigen Fotografie so genannte Tilt-Shift Objektive, um diese Fluchten auszugleichen. Mit einer gängigen Kleinbild- oder Mittelformatkamera haben Sie ohne nachträgliche Bildbearbeitung keine andere Möglichkeit als die Abbildungsebene und die Motivebene parallel zueinander auszurichten. Hierzu findet Ihr auf der linken Seite eine kleine Skizze die dies veranschaulicht.
Oft ist es in der Architekturfotografie erforderlich, das gesamte Gebäude so scharf wie möglich abzubilden. Hierzu sollte man Tilt-Objektive verwenden, welche den Fokus eines Objektives verschieben. Eine Abbildung sollte in der Regel so wenig rauscharm wie möglich sein, d.h. es ist notwendig mit möglichst geringem ISO-Wert zu fotografieren. Außerdem können Architekturfotografien auch zur nachträglichen Vermessung von Gebäuden verwendet werden.

Für extreme Bildeffekte werden auch gelegentlich Fischaugen-Objektive verwendet, um ein möglichst weites Sichtfeld zu erlangen. Über die Korrektur von Fischaugen-Objektiven haben wir in einem Post vor einigen Tagen bereits berichtet.

Bekannte Architekturfotografen

Andreas Feininger

Fotografie von Andreas FeiningerAndreas Feininger wurde 1906 in Paris geboren und verstarb 1999 in New York. Sein Vater war der Maler Lyonel Feininger. Er verbrachte lange Jahre bis 1932 in Deutschland, musste dann jedoch nach Paris emigrieren, da er in Deutschland keine Arbeitserlaubnis als Fotograf erhielt. Feiniger arbeitete dort ungefähr ein Jahr bei dem berühmten Architekten Le Corbusier, der sich neben der Architektur auch mit der Malerei und der Bildhauerei sowie der Lithografie auseinandersetzte. Nach 1933 mußte er abermals nach Schweden emigrieren, wo er heiratete und sehr schnell einen Namen als Architekturfotograf erlangte. Nach 1939, mit Ausbruch des Krieges, wanderte er mit seiner Frau und seinem Sohn nach New York aus, wo er wieder auf seine Elter traf und als freier Bildreporter und Fotograf arbeitete. Andreas Feininger wurde weltweit durch seine Lehrbücher bekannt, die weltweit teilweise auch in mehreren Sprachen übersetzt und publiziert wurden. Bis heute sind seine Lehrbücher Standardwerke an fotografischen Hochschulen.

Wolfgang Mothes

Der Architekturfotograf Wolfgang Mothes hat bereits neben seinem Jurastudium für eine Regionalzeitung als Fotoreporter gearbeitet, um sich sein Studium zu finanzieren. Er widmet sich mit großer Leidenschaft der Schwarz Weiß Fotografie von Gebäuden und seit kurzer Zeit auch der Fotografie von Landschaften und Skulpturen. Bereits seit 2005 kann man immer wieder Artikel in zwei bekannten Fotofachzeitschriften, der Fine Art Foto und der Schwarzweiss lesen. Erwähnenswert ist das Wolfgang Mothes einer der Fotografen ist, der nach dem klassischen Zonensystem von Ansel Adams, seine Negative entwickelt. Er ist ein Techniker der sehr großes Augenmerk auf die technisch einwandfreie Umsetzung seiner Architekturfotografie mit Mittelformat- oder Großformat- bzw. Panoramaformat-Kameras betreibt. Nur in seltensten Fällen verwendt er für seine Fotografie Kleinbildkameras. Weitere Informationen und Fotografien von Wolfgang Mothes gibt es auf seiner Webseite zu sehen. Besonders beeindruckend sind die hervorragenden Schwarz Weiß Architektur-Fotografien in seinem Buch „Deutsche Burgen: German Castles„.

Julius Shulman

Julius Shulman ist ein weiterer amerikanischer Vertreter des Genres der Architekturfotografie. 1910 in New York geboren und 2009 in Los Angeles gestorben war er wie viele Fotografen zu seinem Karrierebeginn nicht nur Fotograf sondern auch Umweltschützer, ähnlich wie Ansel Adams. Während seiner Karriere arbeitete er für viele Architekten und Magazine wie „Life“, „Good Housekeeping“ und „House and Garden“. Er war in vielen Büchern und Bildbänden über zeitgenössische Architektur vertreten, da er gerade in Californien viele Häuser, Tankstellen und innenarchitektonisch interessante Gebäude abgelichtet hat. Gerade Kalifornien im Westen der USA ist für Architekturfotografen besonders reizvoll, da hier viele architektonisch interessante Gebäude stehen. In den 1950 – 1970 Jahren wurden hier von berühmten Architekten Häuser in außergewöhnlichen Lagen erbaut, die bis heute einen besonderen Charme besitzen und sich perfekt zum Fotografieren eignen.

Inspiration für Architekturfotografie-Freunde

Da an die Architekturfotografie sehr strenge Anforderungen gestellt werden, hat sich in diesem Bereich der Fotografie nicht sonderlich viel in den letzten Jahren bewegt. Da jedoch nach wie vor viel gebaut wird und auch die Architektur einer fortwährenden Veränderung unterworfen ist, findet man immer neue Motive, immer neue Gebäude, die es sich lohnt abzulichten. Es lohnt sich, mit offenen Augen durch die Straßen zu gehen, Städte und Dörfer zu besichtigen. Es gibt immer wieder mal ein Kleinod, welches man fotografieren kann.
Doch wann fotografiert man Gebäude am Besten? Besonders für die Architekturfotografie geeignet, ist neben späteren Nachmittagsstunden, die Fotografie während der „Blauen Stunde„. Bei Langzeitbelichtungen bei Nacht verliert man viel Farbe im Bild und die besten Kontraste zwischen natürlichem und künstlichem Licht entstehen genau in dieser Zeit.
Wer weitere Inspiration sucht, findet alleine in der Google Bildersuche viele interessante Fotografien. Ein interessantes Buch zur Architekturfotografie: 100 Contemporary Architects.

Bildreferenzen: Beispiel Kirche, Beispiel Gebäude, Fotografie von Andreas Feiniger und Fotografie von Julius Shulman unter wikimedia creative commons Lizenz

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.